Clash of Media – Traditional vs. New

Clash of Media Traditional vs. New Media War

DE

Seit ich mich zum About You Award 2019 auf Social Media geäußert habe und meinen Artikel vom letzten Jahr herausgekramte, erreichten mich viele Nachrichten zu dem Thema. Also wirklich viele (nicht: „ganz viele von euch haben mich nach meiner bevorzugten Bleistiftmarke gefragt…“) :D. Daher dachte ich mir, dass ich meine Gedanken zum Thema Ist-Zustand der Social Media- und Medien-Welt im Allgemeinen hier einmal zusammenfasse und mich zu den Wellen, die die Veranstaltung durch einen Konflikt eher ungewollt danach schlug einmal äußere.

Vorab, ich hatte keine Einladung dieses Jahr, habe nie mit About You gearbeitet und stehe auch sonst in keinem Verhältnis zur Marke oder dem Sender, der das ganze ausstrahlte. Als es um 23:15 losging verfiel ich buchstäblich nach dem ersten Award in Tiefschlaf und möchte mich jetzt daher -auch aus Unkenntnis dessen was dort genau passiert ist- nicht über den Inhalt der Show auslassen. Im meinem Blogpost soll es um etwas anderes gehen:

Im Laufe der Woche berichteten dutzende Medien auf einmal über die Awardshow, allerdings nicht über die Gewinner, sondern über den Konflikt zwischen einer Laudatorin und einer Spiegel Online Journalistin, die sich ein mehr oder weniger offenes Gefecht auf ihren jeweiligen Plattformen lieferten.

Was war geschehen?

Anja Rützel, hatte in ihrem Artikel die peinlichsten Momente der Show zusammengefasst und dabei unter anderem Enissa Amanis Laudatio als sonderbar geschmäht. Durch den Text offensichtlich beleidigt, rief Amani ihre nicht grade kleine Community dazu auf Gegenwind zu erzeugen. Was wohl auch geschah, denn Rützel wurde dem vernehmen nach auf Twitter teilweise sehr drastisch für ihre TV Kritik angegangen.

In den nachfolgenden Tagen griffen viele (online) Zeitungen den Konflikt der beiden Frauen auf und schoren dabei alle Social Media Akteure mal wieder über einen Kamm. Es war zu lesen, Influencer oder generell Menschen mit großer Reichweite auf Instagram würden eben diese Missbrauchen, und mit Kritik einfach nicht umgehen können. Social Media sei am Ende.

Diese Verallgemeinerung greift kurz und ist himmelschreiend ungerecht. Es ist ungefähr so als würde ich nach der Lügen Affäre beim Spiegel sagen: Alle Stories im Spiegel seien frei erfunden.
Zur Erklärung: Claas Relotius, einst ein Star unter den Journalisten hatte über Jahre Beiträge im Magazin Spiegel und anderen Zeitungen teilweise frei erfunden.

Seit Jahren müssen sich schließlich insbesondere Influencer von den alten Medien nahezu jede Schmähung gefallen lassen. Es ist nicht das erste Mal, dass einzelne der Lächerlichkeit komplett preisgegeben werden. Mir fallen direkt einige Beiträge ein, bei denen Influencer oder Blogger als narzistische Egomanen ohne Seele und Authentizität, die faul sind und alles geschenkt bekommen dargestellt wurden. Nicht zuletzt wegen dieser Steilvorlagen der alten Medien wird dieser Beruf immer noch von vielen Ahnungslosen da draußen belächelt oder verspottet.

Ebenso werden die Bilder, die die Blogger mit viel Arbeit und hohem Aufwand produzieren teilweise einfach von den Magazinen und Zeitungen verwendet, ohne dass diejenigen, die auf den Bildern zu sehen sind gefragt wurden, namentlich erwähnt wurden, oder gar etwas dafür bekommen hätten. Mir selbst ist das unzählige Male passiert.

Dass die typischen Social Media Konsumenten meist nicht einmal mehr Kenntnis von den alten Medien nehmen führt zusätzlich zu einer Verschärfung des Konflikts, da Magazine und Sender mit fallenden Leserzahlen zu kämpfen haben. Jemand der jahrelang Journalismus studiert hat, fragt sich (natürlich nicht ganz zu unrecht) wieso die Leute lieber Social Media Kanäle oder Blogs besuchen als sich ein Magazin zu kaufen.

Es geht wie so oft letztlich um Geld, Macht und, da Journalisten oder eben Influencer und Blogger viele Menschen erreichen, auch darum wer die öffentliche Meinung beeinflussen kann.

Im Normalfall haben die Influencer eigentlich keine große Gegenwehr gezeigt und sich das Ganze gefallen lassen – auch in der Hoffnung doch irgendwann in den elitären Kreis der etablierten Medien aufgenommen zu werden.

Diesmal aber hat man sich die falsche gepickt. Amani reagierte promt und bleibt in der Art eigentlich nur sich selbst, ihrem Image und letztlich ihrer Community treu. Ob man das mag oder nicht spielt dabei keine Rolle aber in gewisser Weise verstehe ich, dass sich manche sagen: Ok, mir reicht es – jetzt wehre ich mich. Das darf natürlich keine Beleidigungen rechtfertigen, aber die dahinter liegende Dynamik, ist denke ich jedem klar und auch dass dabei Grenzen überschritten werden können.

Viele Journalisten schrieben später, Amani habe den Artikel wohl einfach nicht verstanden oder verstehen wollen, aber wenn ich mir vorstelle ich sei einer der Kritisierten (es wurden ja durchaus einige durch den Kakao gezogen) und man würde sich über meine Gesundheitslatschen oder meine Art zu reden lustig machen – ich glaube ich wäre ebenfalls ernsthaft beleidigt. Das heißt nicht, dass es keine Kritik geben darf, es heißt auch nicht, dass der Artikel falsch oder richtig war, aber ich habe das Gefühl, in diesem Fall ist das Fass schlicht übergelaufen und die Kraft der Welle hat viele überrascht.

Der Streit um ein paar Zeilen auf Spiegel Online, zeigt wie tief der Graben zwischen Social Media Akteuren und dem traditionellen Journalismus inzwischen ist. Es geht dabei glaube ich weder um Amani noch um Rützel, sondern darum, dass sich die eine Seite bedroht und die andere nicht respektiert fühlt. Der Shitstorm und die Schmähkritik sind nur das was wir an der Oberfläche sehen. Im (manchmal nicht ganz so verborgenen) Hintergrund geht der Streit zwischen den Medien bzw. deren Akteuren so weit, dass Influencer wegen angeblicher Schleichwerbung abgemahnt werden, von einem Verein, der aus den großen Verlagen besteht. Die Folgen davon kennt ihr alle: Bei Instagram wird inzwischen wirklich alles als Werbung markiert auch wenn es eigentlich keine ist.

Ich habe mir von Anfang an gewünscht, dass old und new media Koexistieren und voneinander profitieren. Es gibt auch einige sehr schön Beispiele dafür. Dennoch bleibt dieser Wunsch zum jetzigen Zeitpunkt pure Illusion – der Konflikt hat dies einmal mehr bewiesen.

Eure PALINA KOZYRAVA

 

 

ENG

Since I commented on the About You Award 2019 via social media and gave you a link to my article from last year, many messages reached me on the subject. Like, really a lot (not: „many of you have asked me for my favorite pencil mark …“) :D. Therefore, I thought that I summarize my thoughts on the current state of the social media and media world in general here and of course regarding the wave of attention that was caused by a conflict in the aftermath of the awardshow.

First of all, I did not have an invitation this year, I never worked with About You, and I have no relation to the brand or broadcaster that broadcasted the whole thing. When it started at 11:15 pm, I literally fell into sleep after the first award and therefore I do not want to talk about the content of the show. My blog is intended to look at something else:

During the week, dozens of traditional media suddenly reported on the award show, but not on the winners, but on the conflict between a laudator and a Spiegel Online journalist. Those two were fighting a more or less open battle on their respective platforms.

What happened?

Anja Rützel, summarized the most embarrassing moments of the show in her article, calling Enissa Amani’s speech as strange, among other things. Obviously offended by the text, Amani mobilized her not-so-small community to create a counter movement. This happened shortly after, because Rützel was reportedly attacked on Twitter very drastically for her TV criticism.

In the following days, many (online) newspapers took up the conflict between the two women and made strange generalizations about all social media actors once again. It was to be read, influencers or generally people with a huge reach on Instagram would just abuse their power, and simply can not handle criticism. Social media is finished some even said.

This generalization falls short however and is blatantly unfair. It’s like I’m saying after the very recent affair at the Spiegel: All stories of their magazine are completely fictitious.
Explaination: Claas Relotius, once a star among the journalists had invented stories for years in the magazine Spiegel and other newspapers.

For years now, influencers have had to put up with almost any abuse from the old media. It is not the first time that some were attacked in a rather relentless way to make them look ridicolous. I can directly think of some contributions in which influencers or bloggers were portrayed as narcissistic egomaniacs without soul and authenticity, who are lazy and have been given everything for free. Because of these articles of the old media, this profession is still ridiculed or mocked by many clueless people out there.

At the same time, the images that the bloggers produce with a great deal of work and effort are sometimes simply used by the magazines and newspapers. The bloggers do not get mentioned, asked or even payed for their content. This happened to myself countless times.

The fact that typical social media consumers usually do not even take notice of the old media is an aggravation of the conflict, as magazines and broadcasters have to deal with falling reader numbers. Someone who has studied journalism for years might wonder (of course, not without reason) why people prefer to visit social media channels or blogs rather than buying a magazine.

As often, the case is about money, power and, as journalists or even influencers and bloggers reach many people, it is also about who can influence public opinion.

In the normal case, the influencers have actually shown no great resistance – in the hope to be admitted someday to the elite circle of established media.

But this time they seem to have picked the wrong person. Amani responds in a manner that was predictable, and thus remains true to herself and her image, and ultimately to her community. It does not matter, whether you like it or not, but in a way, I understand that some people say: Ok, enough for me – now I’m defending myself. Of course, that must not justify insults, but the underlying dynamic is clear to everyone I think.

Many journalists later wrote that Amani probably just did not (or didn’t want to) understand the article, but if I imagine I would be one of those being criticized (many have been criticized in the article) and somebody would mock my shoes or my way of talking – I think I would also seriously offended. This does not mean that there should be no criticism, it does not mean that the article was right or wrong, but I have the feeling that in this case it was simply one drop too much and the power of the wave has surprised many.

The dispute over a few lines on Spiegel Online shows how deep the gap between social media actors and traditional journalism has become. In my opinion it is not about Amani or Rützel, but about the fact that one side is threatened and the other does not feel respected. The Shitstorm and the criticism are just what we see on the surface. In the (sometimes not so hidden) background, the dispute between the media and their actors goes for example so far that influencers are being sued for alleged surreptitious advertising, from an association that consists of the big traditional publishers. You all know the consequences of this: In the meantime everything on Instagram is getting marked as advertising, even if it is not really one.

Right from the start, I wanted old and new media to coexist and benefit from each other. There are also some very nice examples of this. Nonetheless, this wish remains a pure illusion at the present time – the conflict has proved this once more.

Your PALINA KOZYRAVA

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  1. Antonia • 28. April 2019

    Ich finde deinen Artikel sehr schön. Du hast wunderbar Stellung bezogen. Ich habe mir selbst den Spiegel Artikel durchgelesen gehabt und hätte jetzt total auf der Seite der Autorin gestanden oder eben auf der Anderen, umso beeindruckender finde ich deine Kritik. Anstatt wie viele sich in Rage versetzen zu lassen, hast du konstruktiv Stellung genommen und die mit sehr gut gewählten Worten auf die ganze Situation bezogen. Wirklich Hut ab.
    die Bilder sind auch eine tolle Inspo, ist euch sau gut gelungen!
    Alles Liebe
    Antonia

  2. Maral • 29. April 2019

    Cooler Beitrag der sehr reflektiert und ausgeglichen mit dem thema umgeht. Finde deinen ansatz gut!

  3. Nadine • 1. Mai 2019

    Schöner Blogpost, ich mag dass du jetzt wieder mehr persönliche Themen schreibst und mag auch wie du es machst. Schöner Stil, interessant zu lesen. auf jeden Fall besser als ein xbeliebiges Magazin für mich :*. In dem ganzen Konflikt bin ich hin und her gerissen – finde da wird aber insgesamt ein riesen Wirbel um nix gemacht von beiden Seiten.

  4. Hannah • 2. Mai 2019

    Sehr guter Blogpost Palina!

  5. Miriam • 2. Mai 2019

    Bitte mehr von diesen Posts – ich hab die echt vermisst!!!

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