THOUGHTS: Trends? Why Fashion has no directions

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Warum Fashion keine Richtung mehr hat

Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als die Fashion Victims alle gleich aussahen. Ich meine damit nicht wer sich heute so alles Influencer nennt, sondern die Mitarbeiter der großen und kleinen Modehäuser, die man während der Pariser Modewoche durch die Gänge huschen sah. Erst trugen alle weiß, dann schwarz – später glichen die Haarschnitte einander. Doch irgendwann verschwand dieses Einheitsbild. Nicht schlimm eigentlich und doch sinnbildlich für das, was Mode inzwischen geworden ist.

Seit 2 Jahren in etwa ist keine Linie mehr in der Mode zu erkennen. Viele Designer sind auf den Streetwearzug aufgesprungen, jede Brand hat ihre Ugly Sneaker rausgebracht, aber betrachtet man die Kollektion ganzheitlich so gibt es in der Modewelt keinen Trend mehr, der die Designer somehow verbindet. Fashion ist kein einfacher begriff mehr und niemand kann heute mit Gewissheit sagen: DAS ist Fashion und DAS nicht. In gewisser weise ist alles erlaubt. Adidas ist genauso Fashion wie Gucci. Es gibt so viele Designerkollaborationen mit Fast Fashion Produzenten, dass absolut niemand mehr den Überblick hat und Trends halten nur noch so lange wie die Bilder in unserem Instagram Feed sichtbar sind. Heute Balenciaga Boots, Morgen Yeezy Boost, gestern Gucci Schlappen, Übermorgen LV Sneakers, Vorgestern Off-White Gürtel.

Die Marke Off-White ist insgesamt ein gutes Beispiel für die Verschmelzung von Fashion und gewöhnlichem Style. Off-White arbeitet mit Rimowa, Off-White arbeitet mit Nike, Jimmy Choo und Off-White arbeitet natürlich auch mit Champion – ihr merkt diese Liste lässt sich beliebig erweitern. Die eigentliche Marke Off-White wurde in meinen Augen dadurch zu einem Marketingobjekt und im Kern entwertet, da der Style omnipräsent und beliebig gemacht wurde. Vom Nike Sneaker bis zum Koffer – Fashion & Design reduziert auf ein banales Marketingtool. Ein anderes Beispiel hierfür ist die Marke Supreme – dessen Logo wie eine Merch-Lizenz auf die Produkte verschiedenster Marken gedruckt wird: Von Luxus Designertaschen für mehrere tausend Euro bis hin zum billig T-Shirt – mit dem Logo nicht konfrontiert zu werden war in letzter Zeit nahezu unmöglich.

Fashion ist kein unantastbarer Begriff mehr, der klar definiert werden kann. Die Mode geht in alle Richtungen gleichzeitig ohne dabei kurz inne zu halten und herauszufinden welcher Trend funktioniert und tragbar ist. Ich betrachte diese Unentschlossenheit als sehr wesentliche Entwicklung in der Mode und gleichzeitig als die vielleicht einschneidendste der letzten Jahre. Es ist das Ende des Fashion-Dogmas, welches abgelöst wird durch ziellose Verästelungen von Stilrichtungen.

Ist das gut? Ist das schlecht? Eine Antwort habe ich nicht gefunden. Fashion ist weniger elitär, was nicht heisst, dass es günstiger geworden wäre Designerkleidung zu kaufen – im Gegenteil. Es herrscht ein „alles ist erlaubt“ Klima, welches einerseits befreit, andererseits Raum für Fashionirrtümer schafft.

Eure PALINA KOZYRAVA

 

 

ENG

WHY FASHION HAS NO DIRECTION

I still remember the times when the fashion victims all looked the same. I’m not referring to anyone who calls himself an influencer today, but to the employees of the big and small fashion houses, who you could spot running down the corridors during the Paris Fashion Week. First everyone wore white, then black – later, the haircuts resembled each other. But at some point this picture of unity somehow disappeared. Not a bad thing actually and yet it reflects what fashion has become meanwhile.

For about 2 years now, no line can be seen in fashion any more. Many designers have jumped on the streetwear pull, every brand has released their Ugly sneakers, but if you look at the collections holistically, there is no trend in the fashion world that connects the designers somehow. Fashion is no longer a simple concept and nobody can say with certainty today: THAT is fashion and that is not. It seems like everything is allowed. Adidas is just as fashion as Gucci. There are so many designer collaborations with fast fashion producers that absolutely no one has an overview and trends only last as long as the images in our Instagram feed are visible. Today Balenciaga Boots, tomorrow Yeezy Boost, yesterday Gucci slippers, the day after LV sneakers, the day before yesterday Off-White belts.

Overall, the brand Off-White is a great example for the fusion of fashion and ordinary style. Off-White works with Rimowa, Off-White works with Nike, Jimmy Choo and Off-White of course also works with Champion – you have noticed that this list can be expanded as desired. The actual brand Off-White was thereby devalued in my eyes to a marketing object, because the style was made omnipresent and arbitrary. From a Nike sneaker to a suitcase – Fashion & Design reduced to an ordinary marketing tool. Another example of this is the Supreme brand – whose logo is printed like a Merch-license on the products of various brands: From luxury designer bags for several thousand euros to the cheap T-shirt – not to be confronted with the logo has been almost impossible lately.

Fashion is no longer an intangible concept that can be clearly defined. The fashion goes in all directions at the same time without being paused and finding out which trend works and is actually wearable. I regard this indecision as a very significant development in fashion and at the same time as perhaps the most dramatic of recent years. It is the end of the fashion dogma, which is replaced by aimless ramifications of styles.

Is it good? Is it bad? I did not find an answer. Fashion is less elite these days, which does not mean that it would be less expensive to buy designer clothes – on the contrary. There is a „everything is allowed“ climate, which frees us on the one hand and on the other hand creates space for fashion flaws.

Your PALINA KOZYRAVA

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  1. Maja • 13. August 2018

    Schön geschrieben – du hast schon Recht. Wohin denkst du wird es denn gehen? Also was siehst du als Perspektive?

    Lg, Maja

    • Palina Kozyrava • 20. August 2018

      Hey Maja, Also grade bin ich ratlos ehrlich gesagt und vermute eher dass sich der Begriff Style weiter verästeln wird :S
      LG!

  2. Nadja • 13. August 2018

    Guter Kommentar , aber irgendwie auch nicht ganz konsequent ehrlich oder? Du trägst sogar auf den Bildern Vetements, was ja die komplette Überspitzung dieser „Ziellosigkeit“ in der Mode ist. Also zumindest für mich ist das ein wiederspruch.

    Trotzdem mag ich deinen Blog und man merkt dass du dir sehr viel Gedanken machst und Herzblut in das steckst was du machst.

    • Palina Kozyrava • 20. August 2018

      Hey Nadja, Danke erstmal für dein kritisches Feedback. Ich verstehe dein Argument allerdings finde ich das Vetements den vielleicht prägendsten Eindruck auf die Fashionwelt aktuell hinterlassen hat. Die Umkehrung von Hässlich und Schön und die Wiederbelebung verschiedener 90’er Stilelemente mit ausgefallen Schnitten ist für mich der einzige nennenswerte rote Faden in der Fashion der letzten Jahre. Für mich ist es daher kein Widerspruch.

  3. Tati • 13. August 2018

    Danke für diesen Post! Du sprichst aus, was mir seit Tagen auf der Zunge liegt. Gerade für Young-Designer ist es dadurch eine Herausforderung einen eigenen Platz in der Modewelt zu finden. Es gibt kein richtig oder falsch mehr. Alles kann aber nichts muss funktionieren. Außer Talent braucht man auch viel Glück.
    Einerseits ist es etwas schade, dass es in unserer Zeit keine prägenden Stilelemente mehr gibt. (Wie damals in den 20ern, 80ern usw.), andererseits muss sich heutzutage niemand mehr in vorgegebene Muster drängen und kann sich total frei entfalten. Wobei wir damit schon beim nächsten Thema sind: Leute die andere Talente haben und weniger Trendbewusst sind, sind mit der Modevielfalt einfach überfordert. Das führt zu schlimmsten Modeunfällen oder dazu, dass das Straßenbild immer mehr von Leggings und Jetsey-Top geprägt ist (weil man damit auf der sicheren Seite zu sein scheint) und das tut der Modekultur nicht gut.

    • Palina Kozyrava • 20. August 2018

      Hey Tati, Tausend Dank für deinen langen & intelligenten Kommentar! Eure Meinung ist mir super wichtig und dein feedback bedeutet mir sehr viel! Wie es für junge Designer heutzutage ist wäre mal ein super interessantes Thema. Bist du selbst in der Branche tätig oder kennst vielleicht junge Designer? Fände es super interessant sich darüber auszutauschen!

  4. Alina • 13. August 2018

    Absolut richtig, es scheint als würde die Beständigkeit dahin fliegen. Heute ist es das morgen ist es jenes. Aber nichts bleibt länger als ein paar Wochen. Ich denke es ist auch für die Junge Generation schwierig sich zu orientieren und Charakterstärke zu entwickeln, wenn alles schwammig und vergänglich ist. Nichts ist richtig oder falsch. Schade auch, dass man in Zukunft sich nicht an 2010-2020 sich erinnern kann und sagen kann, es war die Zeit des…??? Keine Ahnung was ist es denn für eine Zeit?

    • Palina Kozyrava • 20. August 2018

      Hey Alina, Du hast komplett Recht! Grade steht unsere Modeepoche für nichts ausser die stetige Veränderung des Trends durch neue Marketingtools a la Instagram. Wahrscheinlich schaut man irgendwann die Filme aus unserer Zeit und sagt: Ah ok das war die Zeit als irgendwie alles cool war und nichts. Danke für deinen smarten Kommentar! Ich liebe es mit euch zu diskutieren und eure Meinung zu hören!

    • Jenny • 21. August 2018

      Ja, das hab ich auch schon so oft gedacht. Andrerseits kann man das ja immer erst rückblickend beurteilen. In den 90ern hätten wir auch noch nicht sicher sagen können was wir heute charakteristisch finden.

      Das ist ein super spannendes Thema. Weiß selbst nicht so richtig wie ich diese Entwicklung finden soll.

      Lg, Jenny
      http://www.theplaincircle.com

  5. Jenny • 13. August 2018

    Da hast du recht. Macht es aber auch unglaublich schwierig sich gut zu fühlen.

    • Palina Kozyrava • 20. August 2018

      Hey Jenny, Inwiefern meinst du das? Im Sinne von: Es ist schwierig einen Style zu finden, bei dem man sich sicher sein kann, dass er modisch ist?
      Liebe Grüße!

  6. Alena • 14. August 2018

    Liebe Palina, vielen Dank für den Text, ich würde auch nicht sagen, dass diese Entwicklung schlecht oder gut ist sondern ich finde ein Vergleich mit der bildenden modernen Kunst recht gut. Dort ist es ähnlich, alles wird viel komplexer, und vielschichter und da geht es mir ähnlich ,dass es mir schwer fällt eine Linie zu finden. Die gibt’s es aber nicht und die soll es auch nicht geben, da in unserer heutigen Globalisierten Welt alles möglich ist und Vorallem alles vernetzt ist.

    Sicher ist dies auch auf die Mode zu beziehen, wo die Verbreitung der angeblichen „neuen Trends“ noch schneller und extremer ist. Das ist eben unsere aktuelle Zeit und ich finde es vor allem sehr spannend zu sehen, wie sich das ganze in Zukunft entwickeln wird.

    • Palina Kozyrava • 20. August 2018

      Hey Alena, Vielen Dank für deinen Kommentar! Es ist toll zu lesen, dass ich so reflektierte und smarte Leser habe – Das bedeutet mir sehr viel!
      Ich gebe dir komplett Recht, es wird sehr spannend sein zu beobachten welche Richtung das Ganze einschlägt – falls es überhaupt eine geben wird :S

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